Verklärung – Kant als Antisemit dargestellt

Mai 19, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

immanuel-kant

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Gut gesagt, Kant – nur die Ironie der Geschichte ist die, dass im Zeitalter des Internets einer vom anderen abschreibt, und am Ende gegenseitig und schwärmend vermittelter Schwarmunmündigkeit dann steht: “Kant ist ein Antisemit!”

1.Ein Schwarm selbstverschuldeter “Kantexperten” im Aufruhr. Wikipedia unter “Antisemitismus”: Auch Immanuel Kant (1724–1804) nannte Juden „Vampyre der Gesellschaft“, die „durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil in den nicht unbegründeten Ruf des Betruges… gekommen“ seien.

2. Ich gehe auf den angegebenen Link Ursula Homann. Sie ist ehemalige Sparkassenangestellte in Rente. Sie titelt: “Bücher über judenfeindliche Tendenzen der Aufklärung”. Dort werde ich auf “MICHA BRUMLIK: Deutscher Geist und Judenhass. Das Verhältnis des philosophischen Idealismus zum Judentum. 351 S., DM 48,-” verwiesen. Anstatt entsprechendem Quellennachweis wird Brumlik nur zitiert: “Was in aller Welt”, ruft Brumlik aus, “ging im Kopf dieses großen Aufklärers vor sich”, als er Juden ‘Vampyre der Gesellschaft’ nannte”.

3. Brumlik ist Pädagogikprofessor. Er war Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Zu Brumliks Buch finde ich diverse Buchbesbesprechungen – und eine Art von Journalismus, die nur noch euphorisch nachplappert: In der FAZ schreibt Franziska Augstein: “Weil die Aufklärungsdenker darauf drangen, Staat und Religion zu trennen, war ihnen das Judentum suspekt”. Man erfährt: Juden “galten als “Vampyre der Gesellschaft” (Kant)”. Wo das bei Kant stehen soll, erfährt man auch bei Augstein nicht. – Etwas, aber nur etwas kritischer eine Buchbesprechung in der Zeit.

4. In der Berliner Zeitung finde ich einen Artikel von Kurt Flasch, bis 1995 Ordinarius für Philosophie im Philosophischen Institut Uni Bochum. Er schreibt: “Jüdische Kantianer wie Hermann Cohen und Ernst Cassirer fanden an Kant nichts auszusetzen, Brumlik findet doch etwas; nicht in den großen Werken Kants, wohl aber an zwei Stellen in spätesten Schriften Kants. So spricht Kant im Streit der Fakultäten von 1798 von der jüdischen Religion und schreibt: “Die Euthanasie des Judentums ist die reine moralische Religion.” Es ist klar: Der Zusammenhang ist die Religionsphilosophie. Ganz eindeutig ist von Judentum die Rede, nicht von Juden. Kant faßt den Begriff “Judentum” so: Ritualismus, statutarische Religion. Jeder Mensch ist verpflichtet, den Übergang zur natürlichen Religion, also zur Vernunftreligion zu suchen. Vernunftreligion, das heißt: Seine moralischen Pflichten als Gebote Gottes ansehen. Brumlik sieht diesen Zusammenhang, äußert sich dann aber unsicher und spricht moralisierend vom “intellektuellen Hochmut” Kants. Vor allem erschreckt ihn das Wort “Euthanasie”. Er studiert aber nicht die genaue Bedeutung, die das Wort in der Sprache Kants hatte, sondern unterstellt, Kant habe so ungefähr geredet wie die Nazi-Ärzte auch. Bei Kant bedeutete “Euthanasie” die sanfte Selbstverwandlung der jüdischen, statutarischen Religion in Vernunftreligion. Es geht um die Menschenpflicht, aus dem Naturzustand herauszutreten und in ein ethisches Gemeinwesen einzutreten. Dieses ist die wahre Kirche. Die Polemik gegen das Judentum wendet sich gegen den statutarischen Charakter, gegen das Festhalten an Ritualen und äußeren Vorschriften wie das Fischessen der Katholiken am Freitag. Brumliks Buch ist keine verlässliche philosophiehistorische Untersuchung”. – Auf “Vampyre der Gesellschaft” geht Flash nicht ein.

5. Offenbar beeindruckt von der Kritik des Philosophieprofessors schreibt Brumlik später in der Welt unter dem Titel: “Warum jüdische Philosophen und Theologen Kant als einen der Ihren erkannten” – “Wie hoch Kants Achtung vor der von ihm so verstandenen Idee der jüdischen Religion war, lässt sich einer Bemerkung aus der 1790 erschienenen “Kritik der Urteilskraft” entnehmen: ”Vielleicht gibt es keine erhabenere Stelle im Gesetzbuche der Juden als das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen, noch irgend ein Gleichnis (…) Dieses Gebot allein kann den Enthusiasmus erklären, den das jüdische Volk in seiner gesitteten Epoche für seine Religion fühlte, wenn es sich mit anderen Völkern verglich, oder denjenigen Stolz, den der Mohammedanism einflößt.” – Aber dann unvermittelt: “Kant, das steht fest, war persönlich ein Juden gegenüber ressentimentgeladener, Ausnahmen durchaus berücksichtigender Antisemit”. – “…das steht fest”.

6. Endlich finde ich betreffende Stelle bei Brumlik, wo er schreibt: “Was in aller Welt ging im Kopf dieses großen Aufklärers vor sich”, als er…” – nein nicht wie diverse Nachplapperer behaupten: “Juden ‘Vampyre der Gesellschaft’ nannte”. – Brumlik zitiert mit eben dieser Behauptung vielmehr den evangelischen Theologen Abegg. Dieser wiederum soll gesagt haben, dass es Kant gesagt haben soll.

7. Warum also schreibt Brumlik, Vorsitzender beim Evangelischen Kirchentag, es nicht einfach so, wie es ist? – Klar, Kant war mit seiner verbotenen Schrift “Vom Pfaffentum als einem Regiment im Afterdienst des guten Prinzips” der christlichen Kirche wie der Kirche überhaupt sehr nahegetreten. Aber wie dort nachzulesen, ging es Kant um den zu seiner Zeit noch vorhandenen Religionswahn und Aberglauben. Das hat mit “Antisemitismus” nichts zu tun. Wenn der evangelische Pädagoge oder Theologe sich mit Antisemitismus auseinandersetzen möchte, kann er bei sich selbst mit Luthers brutalem Antisemitismus anfangen, und mit Kant als Kant  “einig sein, oder ihn widerlegen zu müssen glauben; wenn er ihn nur hört. Denn so kann er allein wider alle Schwierigkeiten, die ihm dieser machen dürfte, zum voraus bewaffnet sein. Aber diese zu verheimlichen, auch wohl als ungöttlich zu verrufen, ist ein armseliger Behelf, der nicht stichhält; und von Seiten des biblischen Theologen nur gelegentlich flüchtige Blicke darauf zu werfen, ist ein Mangel der Gründlichkeit, bei dem am Ende niemand recht weiß, wie er mit der Religionslehre im ganzen dran sei”.

Fazit – Kant hat recht:

“Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen”. 

Diverse Arten also werden vorgeführt, wie man auch im 21. Jahrhundert mit und ohne Professorentitel tief in selbstverschuldeter Unmündigkeit steckt – “Ich kann Kant” – und stolz, die Worte schon alleine sagen: “Kant ist Antisemit”. – Selbstverschuldete Schwarmverblödung. Fortsetzung folgt.

 

Gerhard Monsees

 

 

 

Finanzkrise – ein winziger Riss in der eisernen Mauer des Schweigens

Mai 11, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Es gibt Augenblicke im Leben, wo es einem auferlegt ist, selbst ein Medium wie ZEIT-Online zu loben. Sogar ein Wirtschaftsjournalist wie Marc Schieritz mit ansonsten kruden Thesen führt hier ein Interview mit dem ehemaligen Vorsitzenden der deutschen Staatsbank KfW, Hans Reich (1999- 2006), dass einen tieferen Einblick in die tatsächlichen Ursachen der Finanzkrise eröffnet.

Aber der Interviewte sagt erstmal:

“Deshalb werde ich dazu auch nichts sagen”

Sagen sollte der Staatsbanker etwas zu jener Sitzung in 2003 mit dem Finanzminister, dem Wirtschaftsminister und den Vertretern des Finanzsektors, von der er aber nur sagen will: “die ich nie vergessen werde”. Damals ist die rotgrüne Bundesregierung in Koordination über die KfW-Bank massiv in die Verbriefung eingestiegen, also die Bündelung von Kreditforderungen und ihren Weiterverkauf. Es waren solche Verbriefungen, wie die Interviewer es richtig sagen, “die schließlich zur Krise führten”.

Die roten Finanzminister Lafontaine, Eichel und Steinbrück waren nacheinander Vorsitzende des Verwaltungsrats der KfW-Bank. Auch sie schweigen eisern. Und die deutsche Öffentlichkeit, das ist eigentlich das Unfassbare daran, nimmt es einfach so hin, lässt sich stattdessen mit solchen leeren Pauschalsprüchen wie “die Banken” oder “die Neoliberalen haben Schuld” vernebeln. Solche Pauschalsprüche sind allerdings auch einfach nachzuplappern, ersparen jede Denkanstrengung.

Die Interviewer: “In der politischen Diskussion gilt die Verbriefung aber als eine der wichtigsten Ursachen der Krise. Jörg Asmussen – der damals im Finanzministerium für Banken zuständig war – wird heute noch scharf attackiert, weil er dieses Instrument in einem Aufsatz empfohlen hat”.

Der Staatsbanker möchte es diesbezüglich unbedingt getrennt sehen: “Man darf hierbei nicht von den USA auf Deutschland schließen”.

Leider verlieren ausgerechnet an dieser Stelle die Interviewer so ganz die Technik des gezielten Nachfragens. Etwas weiter unten fällt ihnen aber immerhin noch der sehr intensive transatlantische Beziehungszusammenhang zumindest in einer Hinsicht ein: “Später galt die KfW als “dümmste Bank der Republik”, weil sie Geld an die längst bankrotte Investmentbank Lehman Brothers überwies“. – Worauf der Staatsbanker: “Das war 2008, da war ich schon nicht mehr an Bord”.

Insoweit funktioniert auch weiterhin die eiserne Mauer des Schweigens, die immer nur zwei Varianten kennt: ”Dazu werde ich nichts sagen” oder “Da war ich nicht dabei”.

So darf man dann auch bei ZEIT-Online nur eine Seite weiter wieder so selten dämliche Pauschalsätze lesen: “So hat die Gier von Spekulanten und Geldanlegern zu den Exzessen an den Finanzmärkten geführt, für die dann am Ende die Steuerzahler aufkommen mussten. Die Regierungen hatten zuvor, im Namen der Freiheit, die Märkte entfesselt …Heute besteht kein Zweifel mehr, dass Märkte eine ordnende Hand in Form einer starken Regulierung brauchen”. – Und keinerlei Wahrnehmung, dass es eben diese “ordnende Hand in Form einer starken Regulierung” selber war, die den Exzess erst produzierte.

Merkwürdigerweise habe ich aber trotzdem noch die Hoffnung, dass der winzige Riss in der Schweigemauer eines Tages sehr viel größer werden wird. Schon allein um nicht von diesen  Pauschalsprüchen permanent berieselt zu werden.

Ist es wahr, das Rot-Grün aus einer tiefinneren biofaschistoiden Ansteckung entspringt?

Mai 10, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

rotgrün

Habe gerade in ZEITOnline Herrn Grevens Schwärmen für die totalitäre Hirnhälfte (“Weniger Freiheit ist gesellschaftsfähig”) gelesen, wage es aber noch nicht so ganz vollkommen den neuen Realhumanismus der neuen rot-grünen Zuchtmeister zu erwarten.

- Aber hat sich das Bewusstsein in der Gesellschaft nicht eben gewandelt? War nicht noch gerade die Ansicht vorherrschend, der Staat solle sich heraus halten, Menschen könnten selber Menschen sein wie Wirtschaft selber Wirtschaft machen könne? Sind wir jetzt nicht “infolge der Finanzkrise” – womit ja nur die Finanzen der anderen und nicht etwa die Finanzschulden der Staaten etwas zu tun haben sollen?

Eine Rückbesinnung hat eingesetzt“.

Und was jetzt nicht alles “einsetzt”. – Viele (denn es sind die “Vielen”) setzen so ein, dass sie den Staat nicht nur mehr als Eingreifer sehen, sondern auch als flächendeckenden Überwacher und Zuchtmeister. Der realhumanistische Staat soll sorgen, dass es gerecht zugeht, dass das Wohlstandswachstum schneller wächst, dass nicht nur Staats- und Landesbanken nicht pleite gehen und Zinsen auf private Ersparnisse an Inflation verzweifeln, dass selbst der Zuchtloseste noch teuer herangezüchtet wird und eine Chance auf viel mehr H4 erhält, dass die Umwelt getrennt und sortiert wird und sich züchtige Kanzlerkandidaten auf Kosten der allgemeinen Stadtwerke bereichern können.

Einschränkungen ihrer Freiheit nehmen die meisten dafür gern in Kauf. Denn die meisten im tiefsten ihres erneuerbaren Unterbewussten empfinden und spüren noch den starken Geist der einstigen Führer: Wenn sich einige gegen die Klassen-und Rassengemeinschaft rücksichtslos verhalten und nur darauf bedacht sind, ihre eigenen Wünsche, Ziele und Interessen durchzusetzen – ja dann müssen oft die anderen  Klassen-und Rassengenossen darunter leiden.

So hat die Gier von Staatsschuldenmachern, pardon, von Spekulanten und Geldanlegern zu den Exzessen an den Finanzmärkten geführt, für die unsere ehrenwerten “Retter” dann am Ende die deutschen Steuerzahler heranziehen mussten. Namenlose Regierungen hatten zuvor, im Namen namenloser Freiheit, namenlose Märkte entfesselt. Aber wie sich herausstellte, führte dies auf Dauer nicht zu mehr namenloser Freiheit und namenlosem Wohlstand für alle Namenlosen, sondern nur zu exorbitant namenlosen Profiten für wenige Namenlose – und schließlich zu einer namenlosen Vernichtung von Sparvermögen.

Heute besteht kein Zweifel mehr, dass die Freiheit eine ordnende Hand in Form einer starken Regulierung und Züchtigung braucht, so wie es das Konzept des ursprünglichen Biosozialismus schon immer vorsah. Die Jünger eines falsch verstandenen zuchtfeindlichen Neoliberalismus, wie in Wissenschaft und Medien noch vereinzelt anzutreffen sind, stehen mittlerweile auf verlorenem Posten.

Ähnliches gilt auch in anderen Bereichen. Die Bevormundung und Staatsgläubigkeit, die jetzt Rot-Grün wieder anheftet, schreckt daher kaum noch jemanden. Im Gegenteil: Viele wünschen sich, dass diese Staatsführung eingreift und auch im gleichgeschalteten Miteinander den neuen Geist durchsetzt.

Die neue deutsche Mehrheit wird wieder hinter der biosozialistischen Staatsführung stehen.

Vom Geld und den schlimmen Finanzmärkten

Mai 7, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Meine Abneigung gegen diesen ganzen Müllhaufen sogenannter Wirtschaftsredakteure wächst jeden Tag. Beispielsweise Zeit-Online. Ein Klischeeverbreiter voller Unkenntnis.

Die Standardparole zum Geld: Geld muss immer abgezogen werden aus der Reichtumszone, damit es dorthin fließt, wo Mangel herrscht. Dazu müssen Finanzinstitute natürlich “gezwungen” werden. Statisch-steif-pathetisch ist nämlich staatliche Zwangswirtschaft bei Zeitonline “viel sinnvoller”. Denn Exzesse an den Finanzmärkten werden “in der Regel nicht von der Notenbank, sondern durch eine übermäßige Kreditvergabe der privaten Banken finanziert“.

Jeder verteilungsfreudige Deutschlandpapagei in kurzen Hosen glaubt das natürlich sofort. Die Zwangsschreiber legen es zum Nachplappern in den Mund, und der kleine Mund ist stolz die großen Worte schon ganz selber sagen zu können: “übermäßige Kreditvergabe der privaten Banken”.

Der Wohlfahrtsstaat und das Instrument zur grenzenlosen Kreditvergabe – die vom amerikanischen Kongress verabschiedeten Vorschriften zur Lockerung der Standards für Kreditvergaben – und die weltweiten Folgen der in diesen Kreditmarkt verwickelten Verschuldungsstaaten sind bekannt.  Aber solche Informationen darf man bei der Zeit schon gar nicht haben. Das ewig infantile Verlangen nach Paternalismus und Staat. Wirtschaftskomplexität und hilfloser Kindergarten im Gleichschritt genommen. Denn der Staat “wird sich in Zukunft…”,  also “viel stärker als früher in die Steuerung der Geldströme einmischen müssen”. Denn viel früher war er wohl so schwach, weshalb er sich also wohl auch nur schwach einmischen konnte. Jetzt aber so stark soll er ab sofort entscheiden müssen, “in welchen Bereichen der Wirtschaft gerade genug Geld und Kredit vorhanden ist und in welchen zu wenig”.

Wie bei Stalin, Hitler und Honecker aus der volkskindergerechten Parteizentrale und lenkenden Übermacht sollte Wirtschaft dann aber noch mehr Parteibuch haben. Sollten wir alle noch mehr haben. Denn Wirtschaftsredakteure wie bei Zeitonline haben es wohl schon länger mehr und mehr.

Wie wärs mit Gegenwart?

Mai 5, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Die Zukunft ist das, worauf wer eigentlich wartet? – Es ist der Wartende mit diesen traurigen Augen und tief hängenden Lidern, der immerzu sagt: man habe ihm die Zukunft gestohlen, weil man ihm die Hoffnung kappte.

Er leidet an Einsamkeit und mag einen Minijob nicht gerade Perspektive nennen. Es sei nicht nur so, dass er mehr Lebensjahre vor sich habe als irgendein Alter; es sei vielmehr mehr als ein biologischer Zustand. Es sei eine Welt der verlorenen Seele, die zwischen grauen Betonbauten und kalt abweisenden Glaskomplexen geistert, keinen Halt mehr findet.

Nun – jeder Weg scheint offenzustehen. Bis zu dem Punkt, wo man nur der sein kann, der man schon gewesen ist. Und genau dann sei man doch alt. - Das zieht sich jetzt schon über Jahre hin. Wenn er sagt, vor ihm liege keine Zukunft mehr, dann ist der Wunsch schon ziemlich nah, die Augen zu schließen. Aber noch immer scheint er gekränkt von der Unzumutbarkeit, die Leiter zu nehmen, die nach oben führt. Der schrecklichste Sinn des Lebens, die Mobilität, hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verringert, ja ist praktisch verschwunden – und mit ihr der Mythos von wegen schon frühmorgens zum Training. Hunger nach Zukunft, man könnte mehr als man denkt, keine Grenzen, dass man sich nicht dieser Sehnsucht entziehen kann – egal wie alt.

Woher kommt er denn nur, der rational so schwer nachzuvollziehende Enthusiasmus? Man muss an ein Hoffnungschromosom denken, das im Blau treibt. Wie Barack Obama 2008 auch beim Rest der Welt. Denn letztlich hat Obama nichts anderes getan, als „Yes, we can“ wieder einzuführen, wenn auch nur für sehr kurze Zeit. Den Versuch muss man ihm schon hoch anrechnen.

Es sei also dieser Versuch, die die europäischen politischen Eliten sehr genau beachten sollten. Denn wenn sie es nicht tun würden, werden auch sie zu denjenigen gehören, denen keine Zukunft beschieden ist. – Seine Anschauung der Welt, sein kurzer Weg zur ewigen Wartestelle.

Mein Feind, der Neoliberale

Mai 2, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Ein Sozialist wie ich ist mit einem einzigen Wort einem Kollektiv zugewiesen, so fragwürdig, wie es die Gegenbezeichnung “Neoliberaler” tut. Und spätestens wenn meine Genossen auf diesen neoliberalen Idealtyp die totale Finsternis fallen lassen, kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass wir alle zusammen uns in einem manichäischen Lichtreich der fünf absolut richtigen  Denkrichtungen befinden.

Wie muss ein Neoliberaler, von uns fixiert, vor die Augen der Welt treten, um einen Teufel des verdammt wilden Raubtierkapitalismus darzustellen? – Wir sind gute Beschreiber seiner Gestalt, und verstehen uns darauf, die Leiber seiner Verderbnis dabei in ein besonderes Verhältnis zur gegenwärtigen Krisenzeit zu setzen. Dieses soll hoffentlich unserem siegreichen Sozialismus (immer noch und schon wieder) den Eintritt in den Himmel auf Erden erleichtern.

Aber haben meine Freunde, sichtlich ungelenk die Elemente verschiedener Dinge durcheinanderwerfend, auch Mut vor dem Feind? – Um reinen Tisch zu machen, habe ich mich doch in den letzten Jahren schlussendlich von meinen Freunden distanziert. Warum denn nicht einmal respektieren, dass der Neoliberale vom einzelnen Menschen ausgehen will, nicht isoliert, sondern als Leben in Gesellschaft bestimmt, aber eben nicht kollektiv, sondern individuell.

Der Glaube, dass der Neoliberale den Egoismus feiert – wohl eher der übliche Trick eristischer Dialektik. Der einzig wirklich feierliche Egoist, den ich kenne, war der “Einzige”. Aber das war eine Kunstfigur von Max Stirner, erdacht als Polemik gegen die moralische Erbauung:

Ihr wollt den Neoliberalen? Hier habt ihr ihn:

“Was soll nicht alles Meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Wahrheit, der Freiheit, der Humanität, der Gerechtigkeit; ferner die Sache Meines Volkes, Meines Fürsten, Meines Vaterlandes; endlich gar die Sache des Geistes und tausend andere Sachen. Nur Meine Sache soll niemals Meine Sache sein. »Pfui über den Egoisten, der nur an sich denkt!

Wie steht es mit der Menschheit, deren Sache Wir zur unsrigen machen sollen? Ist ihre Sache etwa die eines Andern und dient die Menschheit einer höheren Sache? Nein, die Menschheit sieht nur auf sich, die Menschheit will nur die Menschheit fördern, die Menschheit ist sich selber ihre Sache. Damit sie sich entwickle, läßt sie Völker und Individuen in ihrem Dienste sich abquälen, und wenn diese geleistet haben, was die Menschheit braucht, dann werden sie von ihr aus Dankbarkeit auf den Mist der Geschichte geworfen.

Fort denn mit jeder Sache, die nicht ganz und gar Meine Sache ist! Ihr meint, Meine Sache müsse wenigstens die »gute Sache« sein? Was gut, was böse! Ich bin ja selber Meine Sache, und Ich bin weder gut noch böse. Beides hat für Mich keinen Sinn.

Das Göttliche ist Gottes Sache, das Menschliche Sache »des Menschen«. Meine Sache ist weder das Göttliche noch das Menschliche, ist nicht das Wahre, Gute, Rechte, Freie usw., sondern allein das Meinige, und sie ist keine allgemeine, sondern ist – einzig, wie Ich einzig bin.

Mir geht nichts über Mich!”

Nicht der Steuersparer ist kriminell, sondern der besondere Staat

April 29, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Es gibt Zeiten, etwa Wahlzeiten, in denen der große Haufen und seine Massenmedien aufgelegt sind, die Emotionen bis zum Zerplatzen zu steigern, und zwar völlig blind gegenüber dem, was eine völlig aus den Fugen geratene politische Macht erzeugt.

Konkretes Beispiel: Ein Bundesfinanzminister vergibt einen Millionenauftrag an eine private Anwaltskanzlei. Allein schon dies begibt sich ins halbkriminelle Milieu. Denn das Bundesfinanzministerium ist selbst ein Riesenkomplex voller Rechtsexperten in extrem teuren Spitzenpositionen, wobei jener Steuerzahler auch noch die Kosten für den Riesenkomplex Staatspensionen jenseits aktiv-fachlicher Amtszeiten zu erarbeiten hat. Die korrupte Staatsperson begibt sich in das besondere Interesse einer Anwaltskanzlei, oder welche besondere Klientel auch immer gerade von ihr bedient wird. Dann erhält aber überdies jener Bundesfinanzminister von jener Anwaltskanzlei seinerseits den Auftrag, für die Kanzlei einen Vortrag zu halten gegen zigtausend Euro “Honorar”. Zur entsprechenden Klarstellung sprach der Minister, inzwischen doppelter Millionär, zu seinen Politkollegen in den anderen Parteien: Wenn Ihr meine Geschäfte aufdeckt, decke ich Eure auf. Seitdem ist Schweigen, auch in den Medien.

Auch das große Schweigen ändert nichts – kriminell ist der besondere Staat, dessen Gewalt und Personal nicht mehr für das Allgemeininteresse stehen. Der nationalsozialistische Staat war ein besonderer Staat, die besondere Rasse gegen die allgemeine Menschlichkeit. Der marx-sozialistische Staat war ein besonderer Staat, die besondere Klasse gegen die allgemeine Menschlichkeit. Der ganze besondere Klassen- und Rassenhaufen auf die Seite der Steuereinnahmen geschmissen, nicht wissend oder es nicht wissen wollen, wofür die Steuern auf der Ausgabenseite ausgeben werden. Denn der Durchschnittsdeutsche ist so: Es ist mir egal, wenn es mir schlecht geht – Hauptsache meinem Nachbarn geht es nicht besser. Und vor allem meinen Feinden, den soll es besonders schlecht gehen. Viel Steuern macht mir nichts aus – Hauptsache meine Feinde müssen noch mehr zahlen. – Deutschland, eine Klassen- und Rassentragödie. Es ist der Hass, der Neid und das Misstrauen, die schon wieder die Macht über dieses Land übernehmen.

Jetzt will ausgerechnet jener Bundesfinanzminister ein rot-grüner Bundeskanzler werden, auf dem Weg zum neuen “gerechten” Sozialismus. – Und ich will erst gar nicht ausführen, was seinerzeit unter rot-grünen Bundesfinanzministern unter dem Motto “Finanzplatz Deutschland” in der Besonderheit der Kreditverbriefung in den US-Immobilienmarkt an steuerfinanzierten Geldmassen gepumpt wurde, bis alles zusammenbrach und in das große Schweigen über die zuvor gemachten gigantischen Gewinne (wo sind sie geblieben?) fiel.

Der wirkliche Konstruktionsfehler dieser Bundesrepublik: es gibt in den Schulen keinen Philosophieunterricht: Sonst wüsste der große Haufen seit Aristoteles wie auch seit Kant und Hegel, was Recht, Gerechtigkeit und ein Staat nicht im Besonderen, sondern im Allgemeininteresse ist. Aber es soll wohl offensichtlich auch kein Fehler sein, sondern das besondere gewollte Interesse an einer selten dämlich gehaltenen Volksmasse, die sich genau so erregt und in blinde Wut bringt, wie sie sich bringen soll.

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